Public Exchange Digitalisierungs-Triple II: ABBILDUNGSRAUM

19. Januar 2018, 19.30 bis 22.00 Uhr
Ort:
Spektrum, Bürknerstr. 12, 12047 Berlin

Die Ergebnisse des Digi-Triple II werden im Rahmen eines Public Exchange präsentiert und zwar an einem für diese Form der Zusammenarbeit passenden Ort. SPEKTRUM ist ein Raum der Konvergenz für kulturelle Gemeinschaften und transdisziplinäre Gruppen, die in und außerhalb Berlins entstehen. Die Fragestellungen und Ergebnisse zum Thema Abbildung der Kunst und digitaler Raum des zweiten Labors der Digitalisierung werden nicht nur präsentiert, sondern auch mit allen Anwesenden gemeinsam diskutiert, um so Know-How und Erfahrungen auszutauschen.

Im Rahmen des zweiten Digitalisierungs-Triples haben drei Künstler*innen bzw. Künstler*innengruppen die Chance in einer Laborsituation gemeinsam mit Expert*innen aus der Welt der Programmierung und Wissenschaft eine ihnen auf der künstlerischen Seele brennenden Fragestellung zum Thema Abbildung von Kunst und digitaler Raum zu erforschen.

Die ausgewählten Künstler*innen haben jeweils ganz unterschiedliche Fragestellungen.
Das Kollektiv Monster Control District sind für ihr digitales Montagewerkzeug nota auf der Suche nach online verfügbarem und kollektiv nutzbarem Raum, in dem Montageteile nach den spezifischen Regeln einer Partitur angeordnet werden können. Die Zusammengesetztheit dieser Ordnung muss schnell erfassbar sein, damit sie bald einer alternativen Partitur und ihrem Regelwerk
weichen kann. Die Tänzerin und Choreographin Veronique Langlott will das binäre Paar Mensch-Technik auf die Probe stellen und ist dafür auf der Suche nach einem Programmiersystem, dass die verschiedenen Qualitäten und Intensitäten von Tanz codiert und in einem zweiten Schritt in ein anderes Medium (z.B. Sound, Licht) wieder decodiert. Der Künstler und Softwareentwickler Ricardo Gehn möchte die Rolle von Software in den Künsten und in der Kunstvermittlung diskutieren und Methoden zu erproben, die einen zeitgemäßen Umgang mit digitalen Artefakten in der Kunst finden. Dabei denkt er u.a. an eine angemessene archivarische Praxis, die nicht lediglich digitale Kunst aus der Perspektive der Präsentation betrachtet, sondern auch die zugrunde liegenden Algorithmen als eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema oder Kontext, welches in einem Kunstwerk verhandelt wird, untersucht und aufbereitet.

Monster Control District (MCD)

Das Monster Control District ist ein 2017 in Berlin und FFM gegründetes Kollektiv, bestehend aus dem Kameramann Moritz Friese, dem Kollektiv VOLL:MILCH, der Szenografin und Künstlerin Ariane Trümper und dem Programmierer Nils Bultjer. Aufgabe und Ziel des MCD ist das in Szene setzen unserer monströsen Jetztzeit. Hierzu hat sich das MCD den 2016 begonnen Monster-Zyklus von VOLL:MILCH angeeignet, welcher in einem kollektiven Opernprojekt 2019/2020 seinen Höhepunkt finden wird. Die Oper erscheint uns als monströse szenische Kunstform für eine Auseinandersetzung mit der Monstrosität der Jetztzeit prädestiniert. Die in den nächsten 2 bis 3 Jahren entstehenden Montageteile der Oper und ihre Anordnung werden auf der Bühne und in unserem digitalen Montageprogramm nota erarbeitet, welches wir in unserer Gründungsresidenz am LAB FFM im April 2017 entworfen haben.

Expert*innen:

  • Rebecca Kahn (Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft im Bereich Internet Policy and Governance)

  • Johannes Schnettker (Webentwickler)

Veronique Langlott

Veronique Langlott, *1983 –  studierte Tanz am Koninklijk Conservatorium Antwerpen, Belgien und absolvierte 2013 ihren MA Choreographie an der Fonty‘s Hoogeschool in Tilburg, Niederlanden. Seit 2013 arbeitet sie als freischaffende Tänzerin und Choreographin. In ihren choreographischen Arbeiten kollaboriert sie mit unterschiedlichen Künstler*innen und Medien und experimentiert mit verschiedenen Formaten der Präsentation. Zentraler Aspekt ihres Arbeitsansatzes  ist es mit unterschiedlichen Darstellungsformen von Tanz zu spielen, und durch den Spiegel der Übersetzung in ein anderes Medium, die Perspektive auf die Betrachtung von Kunst zu weiten. Dabei entstanden in Kooperation mit Sound, Text, Projektionskunst und digitalen Medien die interdisziplinäre Ausstellung GlaubenWissen (2013), die Installation Fadenraum (2014), das Bühnenstück Restructuring (2015), mit dem sie beim Hauptsache Frei Festival #3 2017 den Jurypreis gewann sowie Lyrical Ping Pong (2017).

Experte:

Ricardo Gehn

Ricardo Gehn hat Theaterwissenschaft an der Universität Leipzig, sowie Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus und Angewandte Informatik an der Universität Hildesheim studiert. Seit 2013 entwickelt er in verschiedenen Arbeitskontexten Softwarelösungen für Performances und Installationen, die das Spannungsverhältnis zwischen theatralen Formen, Digitalität und Öffentlichkeit ausloten. Darüber hinaus bietet er künstlerisch-praktische Workshops zum Thema Apps und öffentlicher Raum, sowie Programmieren für die Bühne an. Er ist Gründungsmitglied und Softwaredeveloper der Kollektive moon facilitator und OutOfTheBox, mit denen er u.a. softwarebasierte und ortspezifische Performances im öffentlichen Raum erarbeitet. Zur Zeit beschäftigt er sich mit Erzählstrategien, die durch Software im öffentlichen und virtuellen Räumen umgesetzt werden.

Expert*innen:

  • Daniel Wetzel (Rimini Protokoll)

  • Friedrich Kirschner (Professor für Digitale Medien im Puppenspiel an der HfS „Ernst Busch“)

Digitalisierungs-Triple II: ‚Abbildungsraum’

Eine Labor-Reihe zum Thema freie darstellende Kunst in digitalen Zeiten

Zielgruppe: Kunst- und Kulturschaffende der freien darstellenden Künste, die spezifische Fragestellungen/Ideen zur Abbildung und/oder Dokumentation ihrer Kunst im digitalem Raum (weiter)entwickeln möchten

Digitalisierung ist omnipräsent. Sie verändert die Konzeption, Produktion, Distribution und Rezeption von Kunst und Kultur. Mit schier unbegrenzten Möglichkeiten, die sie bereithält, nimmt aber auch die Unübersichtlichkeit zu. Hinzu kommt der mangelnde Austausch von Wissen und Praktiken zwischen den Welten Kunst, Softwareentwicklung und Wissenschaft.

Das Digitalisierungs-Triple I: ‚Kunstraum’ fand von November 2016 und Februar 2017 statt und hatte Kunst- und Kulturschaffende der freien Szene eingeladen, Fragestellungen in Verbindung zum Kunstraum zu bearbeiten.

Inhaltlich konzentriert sich das Digitalisierungs-Triple II dieses Mal auf den ‚Abbildungsraum’:

  • Wie kann flüchtige Kunst mit Mitteln der Digitalisierung überhaupt festgehalten werden?
  • Welche Relevanz und welche Chancen bestehen in der Archivierung und Nutzbarmachung von Digitalisaten?
  • Wie kann sich Kunst dabei nicht nur präsentieren, sondern eine eigene digitale Form entwickeln?
  • Und wie kann digitalisierte - oder auch digital produzierte - Kunst berühren, rezipiert und vermittelt werden?

Jedes der drei Teams setzt sich aus jeweils einem/r Vertreter*in oder einer Vertreter*innengruppe aus den Feldern Kunst, Programmierung und Wissenschaft zusammen. Alle drei Teams haben die Möglichkeit, im Rahmen des Public Exchange ihre Ergebnisse zu präsentieren.


Teilnahmevoraussetzungen

  • Akteur*in der freien darstellenden Künste Berlin
  • Motiviert, im Rahmen des Digitalisierungs-Triples an Digitalisierungsstrategien zu forschen sowie konkrete Ideen zu erarbeiten, die den eigenen Kunstraum betreffen
  • Lebensmittelpunkt in den kommenden Monaten in Berlin und in Berlin gemeldet
  • Fundierte Kenntnisse der deutschen Sprache


Digitalisierungs-Triple I-III

Die Labor-Reihe Digitalisierungs-Triple setzt insgesamt 3 inhaltliche Schwerpunkte:

Digitalisierungsraum I: ‚Kunstraum’
Welche Möglichkeitsräume öffnet die Digitalisierung für den Kunstraum der freien darstellenden Künste jenseits des digitalen Theatermarketings und der Totalvereinnahmung durch die Kreativitätsindustrie? Wie produziert die Verbindung von darstellender Kunst und Digitalität realistisch phantastische Formen von Darstellung?

Digitalisierungs-Triple II: ‚Abbildungsraum’ (Ausschreibung läuft)
Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Abbildungsraum der Kunst aus? Welche Relevanz und welche Chancen bestehen in der Archivierung und Nutzbarmachung von Digitalisaten?

Digitalisierungs-Triple III: ‚Politikraum’ (2018)
Gibt es Schnittmengen zwischen den politisch-gesellschaftlichen Anliegen von kritischen freien Theatermacher*innen und Netzaktivist*innen? Kann man von- und miteinander lernen?